Warum die Temperaturdifferenz entscheidet
Eine Wärmebildkamera macht keine Wärmebrücke sichtbar, sie macht einen Temperaturunterschied sichtbar. Ohne ausreichenden Unterschied zwischen innen und außen gibt es an der Fassade schlicht nichts zu messen.
Als Richtwert gilt eine Temperaturdifferenz von mindestens 10 Kelvin zwischen Innen- und Außentemperatur, wie sie auch der Verfahrensnorm DIN EN 13187 zugrunde liegt. Erst ab dieser Differenz treten Wärmebrücken und Schwachstellen in der Dämmung im Wärmebild deutlich genug hervor.
Das bedeutet: Im Spätsommer bei milden Nächten lässt sich kaum sinnvoll thermografieren, selbst wenn der Himmel perfekt klar ist. Die Jahreszeit entscheidet hier mehr als das Wetter am Flugtag.

Die Heizperiode als Zeitfenster
In Baden-Württemberg liegt das passende Zeitfenster in etwa zwischen November und März. In dieser Heizperiode ist drinnen geheizt und draußen kalt, die Differenz von 10 Kelvin ist an den meisten Tagen ohne Weiteres erreicht.
Innerhalb der Heizperiode zählt zusätzlich, dass die Heizung schon einige Stunden oder Tage durchgehend gelaufen ist. Ein Gebäude, das gerade erst wieder beheizt wird, zeigt noch keine eingeschwungene Temperaturverteilung, das Wärmebild wäre verzerrt.
Wer eine Sanierung plant, nutzt dieses Zeitfenster oft doppelt: Die Aufnahmen dienen als Bestandsdokumentation vor Baubeginn und zugleich als Grundlage für das Gespräch mit dem Energieberater, welche Bereiche der Gebäudehülle zuerst angegangen werden sollten.
Tageszeit und Wetter am Flugtag
Neben der Jahreszeit zählt der Zeitpunkt am Tag. Am aussagekräftigsten ist eine Aufnahme früh am Morgen oder noch vor Sonnenaufgang, wenn die Fassade über Nacht ausgekühlt ist und die Sonne noch keine Fläche aufgeheizt hat.
Direkte Sonneneinstrahlung auf eine Wand erwärmt diese Fläche unabhängig von der Dämmung darunter und würde echte Schwachstellen überdecken. Deshalb bevorzugen wir Termine vor Sonnenaufgang oder an bedecktem Himmel.
Dazu kommen trockene Bedingungen und wenig Wind. Nasse Fassaden kühlen durch Verdunstung ungleichmäßig ab, und starker Wind kühlt die gesamte Oberfläche zusätzlich ab, beides verfälscht das Bild.
Was die Drohne besser sieht als eine Aufnahme vom Boden
Eine Handkamera vom Boden aus erfasst vor allem die unteren Geschosse und die Fassade aus einem flachen Winkel. Dach, First und obere Stockwerke bleiben ihr verwehrt, außer man nimmt ein Nachbargebäude oder einen Kran zu Hilfe.
Die Drohne fliegt das Gebäude in der Höhe ab und erfasst First, Dachflächen, Gauben und obere Geschosse aus einem Winkel, der ihre tatsächliche Ausrichtung zeigt, statt einer perspektivischen Verzerrung von unten.
Grenzen gibt es trotzdem: Spiegelnde Flächen, große Glasfronten und blanke Metallverkleidungen liefern Reflexionen statt verlässlicher Temperaturwerte. Solche Bereiche werden im Protokoll entsprechend gekennzeichnet, statt eine falsche Zahl zu liefern. Wie eine reine Sichtprüfung des Dachs ohne Wärmebild abläuft, beschreibt der Ratgeber zur Dachinspektion per Drohne.

Was Sie vor dem Termin beachten sollten
Am wichtigsten ist die Heizung: Sie sollte in den Tagen vor dem Termin durchgehend normal laufen, nicht extra hochgedreht und nicht abgeschaltet. Ein künstlich aufgeheiztes Gebäude verzerrt das Bild genauso wie ein ausgekühltes.
Fenster, Rollläden und Markisen bleiben in ihrer gewohnten Stellung. Wurde kurz vor dem Termin geregnet oder liegt Reif auf der Fassade, verschieben wir den Flug lieber auf ein trockenes Zeitfenster, weil Feuchtigkeit auf der Oberfläche zusätzlich abkühlt und das Bild verfälscht.
Für den Flug selbst muss niemand vor Ort sein. Wichtig ist nur, dass die Heizsituation im Haus dem normalen Betrieb entspricht, wenn wir kommen.
Die Einordnung bleibt beim Energieberater
Auch bei optimalen Bedingungen liefert VISIO ein Wärmebild und ein Protokoll, keine Energieberatung. Ob eine auffällige Stelle eine echte Wärmebrücke, eine bauliche Besonderheit oder unkritisch ist, beurteilt Ihr Energieberater oder der ausführende Handwerksbetrieb anhand der Rohdaten.
Eine Gebäudethermografie ist außerdem kein Energieausweis und kein gefördertes Energieberatungsgutachten. Beides sind eigenständige Dokumente nach eigenen Regeln, für die Sie einen zugelassenen Energieberater brauchen. Die Drohnenaufnahmen liefern diesem Berater zusätzliches Bildmaterial, ersetzen aber nicht sein Gutachten.
Für Gebäude in Ludwigsburg, Göppingen und dem übrigen Kerngebiet lässt sich ein winterlicher Frühtermin meist kurzfristig abstimmen, sobald ein passendes Wetterfenster in Sicht ist. Mehr zum Ablauf steht auf der Seite Gebäudethermografie, ein Beispiel für das fertige Ergebnis zeigt das Musterprotokoll als PDF.