Was eine PV-Thermografie überhaupt zeigt
Eine radiometrische Wärmebildkamera misst nicht Farben, sondern Temperaturen. Jeder Bildpunkt trägt einen Messwert, deshalb heißt das Dateiformat R-JPEG: ein Bild, das gleichzeitig ein Datensatz ist. Über dem Modulfeld zeigt sich damit, welche Zellen, Strings oder Anschlussdosen wärmer laufen als der Rest der Anlage.
Typische Erwärmungsmuster sind einzelne heiße Zellen, durchgängig wärmere Bypass-Dioden, ganze Stränge mit auffälliger Temperatur, oder Flächen, die durch Verschmutzung, Laub oder Teilverschattung anders auskühlen als ihre Umgebung.
Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Das Wärmebild zeigt ein Muster, keine Diagnose. Ob eine wärmere Zelle ein beginnender Zellbruch ist, eine lockere Anschlussdose oder nur eine Verschmutzung, ordnet Ihr Elektromeister oder PV-Fachbetrieb ein. VISIO liefert die Aufnahmen und die Zuordnung zum Modul, die Bewertung bleibt beim Fachpartner.

Messbedingungen: Wann ein Wärmebild überhaupt aussagekräftig ist
Ein Wärmebild ist nur so gut wie die Bedingungen, unter denen es entsteht. Die Verfahrensnorm für Freiland-Thermografie an PV-Anlagen, IEC TS 62446-3, nennt dafür feste Richtwerte.
Die Einstrahlung sollte mindestens 600 W/m² betragen, der Wind unter 4 m/s liegen, und die Anlage sollte mit mindestens 20 Prozent ihrer Nennleistung unter Last stehen. Nur dann erwärmen sich Zellen und Anschlüsse so weit, dass echte Unterschiede sichtbar werden und nicht im Rauschen der Aufnahme untergehen.
Deshalb fliegen wir bevorzugt an klaren Tagen um die Mittagsstunden, wenn die Sonne am höchsten steht und die Einstrahlung am stabilsten ist. Ein bewölkter Vormittag oder ein böiger Nachmittag verschiebt eher den Termin, als ein Wärmebild zu liefern, das später niemand belastbar auswerten kann.
Diese Werte stehen auch im Protokoll: Einstrahlung, Windgeschwindigkeit und Betriebszustand werden zum Flugzeitpunkt festgehalten, damit Ihr Fachbetrieb die Aufnahmen richtig einordnen kann.
Die richtige Jahreszeit
Für PV-Anlagen gilt vereinfacht: immer dann, wenn genug Sonne da ist, um die Module unter Last zu bringen. In Baden-Württemberg ist das an klaren Tagen etwa von März bis Oktober gegeben, im Hochsommer am zuverlässigsten.
Anders als bei der Gebäudethermografie brauchen Sie hier keine Heizperiode und keinen kalten Morgen. Entscheidend ist die Einstrahlung auf das Modulfeld, nicht die Außentemperatur.
Wir behalten das Wetter im Blick und schlagen Ihnen ein passendes Zeitfenster vor, statt einen festen Termin zu setzen, der am Ende wegen Bewölkung oder Wind ausfällt.
Typische Anlässe für eine Befliegung
Eine PV-Thermografie passt in mehrere Situationen, in denen Sie ohnehin einen Blick auf die Anlage werfen wollen oder müssen:
- Abnahme einer neuen Anlage, als Nachweis vor der ersten vollen Saison
- Kurz vor Ablauf der Gewährleistung, damit Auffälligkeiten noch beim Errichter geltend gemacht werden können
- Bei einem spürbaren Ertragseinbruch, wenn die Ursache im Modulfeld vermutet wird
- Nach Hagel oder Sturm, als Ergänzung zur Sichtprüfung
- Auf Wunsch einer Versicherung oder eines Gutachters, als neutrale Bilddokumentation

Wie eine Befliegung abläuft
Der Ablauf ist bei einer PV-Thermografie derselbe wie bei jeder Befliegung, nur die Wetterprüfung ist enger gefasst:
- 1.Anfrage mit Objekt, Anlagengröße und Anliegen, per Formular, Telefon oder WhatsApp
- 2.Standort- und Luftraumprüfung sowie Abstimmung eines Wetterfensters, das zu Einstrahlung und Wind passt
- 3.Befliegung des Modulfelds unter Last, meist in wenigen Stunden auch bei größeren Anlagen
- 4.Übergabe von Rohdaten und Inspektionsprotokoll wenige Werktage nach dem Flug
Was Sie am Ende in der Hand halten
Sie bekommen keine Bewertung, sondern die Daten, die eine Bewertung erst möglich machen: radiometrische Rohdaten im R-JPEG-Format, zugeordnet zu Modulreihe und Position, dazu Sichtbilder aus demselben Flug zur eindeutigen Zuordnung jeder Auffälligkeit.
Dazu kommt ein Inspektionsprotokoll mit den Messbedingungen des Flugtags und der Bildzuordnung. Wie ein solches Protokoll aussieht, zeigt das Musterprotokoll als PDF, mit Beispieldaten, aber im echten Aufbau.
Alle Formate sind offen und lassen sich mit gängiger Software öffnen, Sie sind also nicht an ein bestimmtes Programm gebunden.
Was eine Drohnenthermografie nicht ersetzt
Eine PV-Thermografie ist keine Elektroprüfung. Isolationswiderstand, Erdung und Schutzleiter prüft weiterhin Ihr Elektrofachbetrieb mit eigenem Messgerät, dafür braucht es keinen Flug.
Sie ist außerdem keine Ursachenbewertung. Das Wärmebild zeigt, wo eine Auffälligkeit liegt, nicht, warum sie entstanden ist oder wie schwerwiegend sie ist. Diese Einordnung trifft Ihr Elektromeister oder PV-Fachbetrieb anhand der Rohdaten.
Für Anlagen in Stuttgart, Esslingen und dem übrigen Kerngebiet ist ein Termin meist innerhalb weniger Tage möglich, sofern das Wetterfenster passt.