Ratgeber · PV-Thermografie

PV-Thermografie per Drohne: Wann sie sich lohnt, wie sie abläuft, was Sie bekommen

Eine Drohne mit radiometrischer Wärmebildkamera zeigt Temperaturunterschiede im Modulfeld, die von Auge unsichtbar bleiben. Dieser Ratgeber erklärt, unter welchen Bedingungen ein Wärmebild überhaupt aussagekräftig ist, zu welchen Anlässen sich eine Befliegung anbietet und was Sie danach in der Hand halten.

Stand: September 20267 Min. Lesezeit

Was eine PV-Thermografie überhaupt zeigt

Eine radiometrische Wärmebildkamera misst nicht Farben, sondern Temperaturen. Jeder Bildpunkt trägt einen Messwert, deshalb heißt das Dateiformat R-JPEG: ein Bild, das gleichzeitig ein Datensatz ist. Über dem Modulfeld zeigt sich damit, welche Zellen, Strings oder Anschlussdosen wärmer laufen als der Rest der Anlage.

Typische Erwärmungsmuster sind einzelne heiße Zellen, durchgängig wärmere Bypass-Dioden, ganze Stränge mit auffälliger Temperatur, oder Flächen, die durch Verschmutzung, Laub oder Teilverschattung anders auskühlen als ihre Umgebung.

Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Das Wärmebild zeigt ein Muster, keine Diagnose. Ob eine wärmere Zelle ein beginnender Zellbruch ist, eine lockere Anschlussdose oder nur eine Verschmutzung, ordnet Ihr Elektromeister oder PV-Fachbetrieb ein. VISIO liefert die Aufnahmen und die Zuordnung zum Modul, die Bewertung bleibt beim Fachpartner.

Photovoltaikanlage auf einem Satteldach, Drohnenaufnahme in der Dämmerung
Photovoltaikanlage auf einem Satteldach, Drohnenaufnahme in der Dämmerung

Messbedingungen: Wann ein Wärmebild überhaupt aussagekräftig ist

Ein Wärmebild ist nur so gut wie die Bedingungen, unter denen es entsteht. Die Verfahrensnorm für Freiland-Thermografie an PV-Anlagen, IEC TS 62446-3, nennt dafür feste Richtwerte.

Die Einstrahlung sollte mindestens 600 W/m² betragen, der Wind unter 4 m/s liegen, und die Anlage sollte mit mindestens 20 Prozent ihrer Nennleistung unter Last stehen. Nur dann erwärmen sich Zellen und Anschlüsse so weit, dass echte Unterschiede sichtbar werden und nicht im Rauschen der Aufnahme untergehen.

Deshalb fliegen wir bevorzugt an klaren Tagen um die Mittagsstunden, wenn die Sonne am höchsten steht und die Einstrahlung am stabilsten ist. Ein bewölkter Vormittag oder ein böiger Nachmittag verschiebt eher den Termin, als ein Wärmebild zu liefern, das später niemand belastbar auswerten kann.

Diese Werte stehen auch im Protokoll: Einstrahlung, Windgeschwindigkeit und Betriebszustand werden zum Flugzeitpunkt festgehalten, damit Ihr Fachbetrieb die Aufnahmen richtig einordnen kann.

Die richtige Jahreszeit

Für PV-Anlagen gilt vereinfacht: immer dann, wenn genug Sonne da ist, um die Module unter Last zu bringen. In Baden-Württemberg ist das an klaren Tagen etwa von März bis Oktober gegeben, im Hochsommer am zuverlässigsten.

Anders als bei der Gebäudethermografie brauchen Sie hier keine Heizperiode und keinen kalten Morgen. Entscheidend ist die Einstrahlung auf das Modulfeld, nicht die Außentemperatur.

Wir behalten das Wetter im Blick und schlagen Ihnen ein passendes Zeitfenster vor, statt einen festen Termin zu setzen, der am Ende wegen Bewölkung oder Wind ausfällt.

Typische Anlässe für eine Befliegung

Eine PV-Thermografie passt in mehrere Situationen, in denen Sie ohnehin einen Blick auf die Anlage werfen wollen oder müssen:

  • Abnahme einer neuen Anlage, als Nachweis vor der ersten vollen Saison
  • Kurz vor Ablauf der Gewährleistung, damit Auffälligkeiten noch beim Errichter geltend gemacht werden können
  • Bei einem spürbaren Ertragseinbruch, wenn die Ursache im Modulfeld vermutet wird
  • Nach Hagel oder Sturm, als Ergänzung zur Sichtprüfung
  • Auf Wunsch einer Versicherung oder eines Gutachters, als neutrale Bilddokumentation
Wärmebild einer Photovoltaik-Dachanlage mit einer deutlich wärmeren Zelle im Modulfeld, schematische Darstellung
Wärmebild einer Photovoltaik-Dachanlage mit einer deutlich wärmeren Zelle im Modulfeld, schematische Darstellung

Wie eine Befliegung abläuft

Der Ablauf ist bei einer PV-Thermografie derselbe wie bei jeder Befliegung, nur die Wetterprüfung ist enger gefasst:

  1. 1.Anfrage mit Objekt, Anlagengröße und Anliegen, per Formular, Telefon oder WhatsApp
  2. 2.Standort- und Luftraumprüfung sowie Abstimmung eines Wetterfensters, das zu Einstrahlung und Wind passt
  3. 3.Befliegung des Modulfelds unter Last, meist in wenigen Stunden auch bei größeren Anlagen
  4. 4.Übergabe von Rohdaten und Inspektionsprotokoll wenige Werktage nach dem Flug

Was Sie am Ende in der Hand halten

Sie bekommen keine Bewertung, sondern die Daten, die eine Bewertung erst möglich machen: radiometrische Rohdaten im R-JPEG-Format, zugeordnet zu Modulreihe und Position, dazu Sichtbilder aus demselben Flug zur eindeutigen Zuordnung jeder Auffälligkeit.

Dazu kommt ein Inspektionsprotokoll mit den Messbedingungen des Flugtags und der Bildzuordnung. Wie ein solches Protokoll aussieht, zeigt das Musterprotokoll als PDF, mit Beispieldaten, aber im echten Aufbau.

Alle Formate sind offen und lassen sich mit gängiger Software öffnen, Sie sind also nicht an ein bestimmtes Programm gebunden.

Was eine Drohnenthermografie nicht ersetzt

Eine PV-Thermografie ist keine Elektroprüfung. Isolationswiderstand, Erdung und Schutzleiter prüft weiterhin Ihr Elektrofachbetrieb mit eigenem Messgerät, dafür braucht es keinen Flug.

Sie ist außerdem keine Ursachenbewertung. Das Wärmebild zeigt, wo eine Auffälligkeit liegt, nicht, warum sie entstanden ist oder wie schwerwiegend sie ist. Diese Einordnung trifft Ihr Elektromeister oder PV-Fachbetrieb anhand der Rohdaten.

Für Anlagen in Stuttgart, Esslingen und dem übrigen Kerngebiet ist ein Termin meist innerhalb weniger Tage möglich, sofern das Wetterfenster passt.

Fragen

Häufige Fragen dazu.

Ihre Frage ist nicht dabei? Ein Anruf klärt das in zwei Minuten.

0711 99550753Zur Leistungsseite PV-Thermografie
Ersetzt die Drohnenthermografie die DGUV-V3-Prüfung oder den E-Check?

Nein. Diese Prüfungen messen elektrische Sicherheit mit eigenem Messgerät und sind gesetzlich vorgeschrieben. Die Drohnenthermografie ergänzt sie um eine bildliche Übersicht des ganzen Modulfelds, ersetzt sie aber nicht.

Muss ich die Anlage für den Termin abschalten?

Im Gegenteil, die Anlage muss unter Last laufen, sonst zeigt sich kein Temperaturunterschied. Der Betrieb läuft während des Flugs normal weiter.

Erkenne ich nach dem Flug sofort, ob etwas auffällig ist?

Die Rohdaten und das Protokoll gehen an Sie und, wenn gewünscht, direkt an Ihren Fachbetrieb. Eine Einschätzung zu einzelnen Auffälligkeiten geben wir nicht ab, das ist Sache der fachlichen Auswertung.

Funktioniert das auch bei großen Freiflächenanlagen?

Ja. Freiflächenanlagen werden in parallelen Bahnen mit Überlappung abgeflogen, damit jedes Modul auf mehreren Aufnahmen liegt. Bei großen Feldern braucht das entsprechend mehr Flugzeit als ein Einfamilienhausdach.

Wie oft sollte eine PV-Anlage thermografiert werden?

Eine feste Regel gibt es nicht. Sinnvoll ist eine Kontrollbefliegung nach besonderen Ereignissen wie Hagel oder einem Ertragseinbruch, und bei größeren Anlagen als wiederkehrende Kontrolle im selben Zeitfenster jedes Jahr, damit sich Aufnahmen direkt vergleichen lassen.

Was kostet eine PV-Thermografie?

Der Preis richtet sich nach Anlagengröße, Anfahrt und Umfang der Daten. Nach Ihrer Anfrage bekommen Sie eine kostenlose Ersteinschätzung und ein festes, unverbindliches Angebot. Geflogen wird erst, wenn Sie zugesagt haben.

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